Folgendes über langjährige Beziehungen habe ich neulich in einem interessanten Artikel im Stern gelesen:
Wer kennt das nicht: Anfangs ist die Lust auf den Partner riesig, doch bereits nach wenigen Jahren herrscht tote Hose. Ein Naturgesetz? Nein, sagen Paartherapeuten und weisen in zwei neuen Büchern Wege aus der verkehrsberuhigten Zone.
Kuschelsex. Beschwichtigungssex. Sonntags-nach-dem-Tatort-Sex. Wir-sollten-mal-wieder-Sex. TrostSex. Die-Kinder-sind-bei-Oma-Sex. Aber-dann-spätestens-im-Urlaub-Sex. Doch, es gibt ihn noch, den Sex in der Ehe oder in langjährigen Beziehungen - nur, so richtig doll ist er meistens nicht. Früher, daran meinen sich viele noch dunkel zu erinnern, war es mal so, dass die Erde bebte und die Engel weinten. Aber heute ...
Das Phänomen ist so alt wie die Liebe selbst: ein, zwei Jahre rauschhafte Leidenschaft zu Beginn einer Beziehung, danach geht es mit der Lust steil bergab. Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, weil bei Sexumfragen notorisch gelogen wird. Doch in einer Göttinger Studie von 2005 mit 51000 Teilnehmern zwischen 20 und 69 sagte bei 65 Prozent der Paare mindestens einer der Partner, mit seinem Sexualleben unzufrieden zu sein. 57 Prozent der Paare haben maximal einmal die Woche Sex, 17 Prozent gaben an, in den letzten vier Wochen überhaupt keinen Sex gehabt zu haben.
Die Erklärungen lauteten bislang immer: zu viel Stress, zu viel Alltag, zu viel Kindergeschrei, zu wenig Zeit. Oder: Die moderne Beziehung ist mit so vielen Erwartungen überfordert - der andere muss Partner, Kumpel, Vater/Mutter und Lover in Personalunion sein -, dass unter all dem Druck die Lust vergeht. Oder: Langjähriger Sex widerspricht dem biologischen Programm; Leidenschaft hält im Schnitt 18 bis 36 Monate, dann hat die Natur keinen Bock mehr. "Wir sind nicht auf der Welt, um glücklich zu sein", sagt die US-Anthropologin Helen Fisher so bündig wie herzlos, "wir sind auf der Welt, um uns fortzupflanzen." Na toll.
Lustlosigkeit ist jedenfalls, so scheint es, ein Naturgesetz wie die Schwerkraft - bestenfalls kurzfristig und nur mit Anstrengung aufzuheben. Wir können zwar Bälle in die Luft werfen und Raketen zum Mond schießen, aber am Ende fällt doch alles wieder runter. Und so arrangiert man sich ergeben: "Masturbation ist schwer im Kommen", fasst der Paartherapeut und Autor Michael Mary ("Fünf Lügen, die Liebe betreffend") die Pausengespräche des letzten Sexologen-Kongresses trocken zusammen - bei 45-Jährigen ist schon fast die Hälfte aller Sexualakte in festen Beziehungen handgemacht. Daran können auch vereinzelte Protestaktionen wie die jener 52-jährigen Ehefrau aus Aachen nichts ändern, die Anfang August die Polizei rief, weil ihr Mann seit Wochen nicht mehr seinen ehelichen Pflichten nachkommen wollte.
Um ein Paar im Bett wieder zusammenzubringen, so der neue Denkansatz, muss man es erst mal am Tisch trennen. Das widerspricht der herkömmlichen Therapeutenmeinung "Bessere Beziehung = besserer Sex". Ihr gemäß galt jahrzehntelang: Wenn man eine gute Partnerschaft hat, läuft es mit dem Sex von allein. Im Gegenteil, sagt die Aachener Sexualwissenschaftlerin Ulrike Brandenburg: "Das Schwierige am Sex ist die Beziehung." Esther Perel geht sogar noch weiter: Alles, womit wir unsere Beziehungen zu stabilisieren und zu schützen versuchen - Gleichberechtigung, absolute Offenheit, Verständnis -, kann sie gefährden. Aus Angst vor Verlust einigen wir uns auf kleinste gemeinsame Nenner - alles, wovon wir vermuten, dass es für den anderen erträglich ist - und schaffen damit Langeweile und Unzufriedenheit. Und die können die Beziehung kollabieren lassen, wenn die jeweiligen Bedürfnisse der Partner zu kurz kommen, sie sich ihren Ausweg in Affären suchen, oder wenn das Nachlassen der Lust als Abnehmen der Liebe missverstanden wird.
"Liebe und Verlangen verhalten sich zueinander wie die Kategorien Haben und Wollen", sagt Perel. Die Frage ist also: Wie kann man wieder wollen, was man längst schon hat? Indem man sich von ein paar Illusionen trennt, wie Beziehungen funktionieren.
Quelle: Stern.de
Beziehungen sind halt wie Blumen, man muss sie rundum pflegen und wie alles im Leben, es nicht als Selbstverständlich nehmen. Die meisten Menschen erkennen erst was Sie haben wenn es fehlt, wenn man es ihnen wegnimmt. Dann ist es meist zu spät. Also schauen Sie ihrer Partnerin mal wieder in die Augen und fragen Sie sich, ist es wirklich selbstverständlich was ich da sehe ? Ist das Gefühl was man mir schenkt nicht wert es Tag für Tag neu zu gewinnen ? Nennen Sie mich einen hoffnungslosen Romantiker, aber ich denke die Liebe ist das einzig Wahre um zu leben, auch wenn die Helen Fisher meint wir sind nur da um uns fortzupflanzen, so spricht da eher die Verbitterung und Sehnsucht nach gerade diesem Gefühl. Denn wirklich Fortpflanzen sollte sich der Mensch in seinem bisherigen tun nicht, er ist alles andere als ein Segen für den Rest der Welt. An alle die dieses Gefühl noch in sich tragen und es in aller Frische geniessen, geniesst es doch hört nicht auf darum zu kämpfen.
Ich wünsche einen schönen Abend.
Kommentare